Kinder

Mutter mit Kind

Allgemeines zur Kinderversorgung (Pädakustik)

Gutes Hören ist in jedem Alter, in allen Lebensbereichen für uns von großer Bedeutung.
Bei Säuglingen und Kleinkindern spielt der akustische Reiz unter anderem eine große Rolle auf die Entwicklung und Ausreifung des Hörorgans, auch für die Entstehung neuer Nervenbahnen sind die Sinneswahrnehmungen äußerst wichtig. Sprechen lernt man nur, wenn man hört und versteht!

Wenn das Kind nicht sprechen lernt.
Grundsätzlich sollten Hörprüfungen bei allen Neugeborenen in den Kliniken durch subjektive und objektive Messverfahren durchgeführt werden. Die Früherkennung, Früherfassung und die Früherziehung hörgeschädigter Kleinkinder, muss im Laufe des 1. Lebensjahres eingeleitet werden. Je früher desto besser. Denn in dieser Zeit erfolgt überwiegend die Reifung der Hörbahn und eventuelle Hörminderungen können früh und rechtzeitig und somit auch erfolgreich behandelt werden. Eine nicht rechtzeitig erkannte Hörstörung kann irreparable Folgen für das Kind haben.

Diese Phasen werden vom Säuglingsalter bis hin zum Kleinkindalter durchlaufen. Regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen beim Kinderarzt stellen nicht nur die Gesundheit des Gehörs sicher.

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Achten Sie unbedingt darauf, dass Sie bei den Tests zu Hause, nicht im Blickkontakt stehen und nicht durch Vibrationen oder Luftzüge von Ihrem Kind wahrgenommen werden können. Im Kleinkindalter wird häufig versucht Hörminderungen durch Verstärkung der anderen Sinneswahrnehmungen auszugleichen. Das Kind, dass sein eigenes Geplapper nicht hören kann, hört mit dem Lallen und Plappern innerhalb des 1. Lebensjahres auf. Verstummt Ihr Kind nach der Lallphase, muss dies unbedingt von einem Hals-Nasen-Ohren-Arzt untersucht werden.

Ursachen von Schallleitungs-Schwerhörigkeiten

Ohrenschmalz (Cerumen)

Cerumen, das sich im Gehörgang festsetzt, wirkt wie ein Ohrpfropfen und hindert Schallwellen daran, bis zum Trommelfell vorzudringen. Cerumen-Überschüsse können von einem Arzt mit wachsaufweichenden Tropfen aufgelöst und ausgespült werden. Wattestäbchen sollten niemals benutzt werden, um Cerumen zu entfernen, damit es nicht tiefer in den Gehörgang geschoben oder das Trommelfell verletzt wird.

Fremdkörper

Fremdkörper im Gehörgang (z.B. Perlen oder Nahrungsmittel) können die Schallübertragung blockieren oder das Trommelfell beschädigen.

Schwimmerohr

Diese schmerzhafte bakterielle Entzündung kann den Gehörgang durch eine Anschwellung verschliessen und zu einer vorübergehenden Schwerhörigkeit führen. Sie kann auftreten, wenn der Gehörgang nach dem Baden oder Schwimmen nass bleibt.

Mittelohrentzündung (Otitis media)

Dies ist die häufigste Ursache von Schallleitungsschwerhörigkeit bei Kindern. Mittelohrentzündung ist ein allgemeiner Begriff für eine ganze Reihe von Mittelohrkrankheiten. Über 85% aller Kinder machen mindestens eine Ohrenentzündung durch. Ohrenentzündungen sind der zweithäufigste Grund für Untersuchungen von Kleinkindern in der Arztpraxis. Es gibt mehrere Erscheinungsformen und Ursachen der Mittelohrentzündung. Die häufigsten Ursachen sind entzündete Rachenmandeln, die Bakterien tragen oder die Eustachische Röhre verstopfen, welche das Mittelohr mit dem Nasenrachenraum verbindet.

Mittelohrentzündungen können auch durch Infektionen der Atemwege oder Zigarettenrauch verursacht werden. Die häufigsten Arten sind akute sowie sekretbildende Mittelohrentzündungen.

Akute Mittelohrentzündung – Ohrenschmerzen, Fieber, Ruhelosigkeit und eine gewisse Schwerhörigkeit, sind die typischen Symptome einer akuten Mittelohrentzündung. Diese eiternde Ohrenentzündung sollte unbedingt einem Arzt vorgestellt werden. Dieser entscheidet letztlich, ob Antibiotika verabreicht werden müssen. In seltenen Fällen kann Eiter durch die Trommelfellperforation (Durchbruch) in den Gehörgang eindringen. Nichtbehandlung kann zu schweren Mittel- oder Innenohrkomplikationen führen.

Sekretbildende Mittelohrentzündung – Diese Form tritt oft anschliessend nach einer akute Mittelohrentzündung auf. Sie entsteht, wenn im Mittelohr Sekret (Flüssigkeit) zurückbleibt, das die Trommelfellschwingung und die Bewegung der Gehörknöchelchen behindert. Dies kann zu leichter bis mittlerer Schwerhörigkeit führen, die bei sehr kleinen Kindern die Sprachentwicklung hemmen kann. Die sekretbildende Mittelohrentzündung kann unterschiedlich behandelt werden. Der Arzt muss entscheiden, ob zur Ableitung der Flüssigkeit die Gabe von Antibiotika erforderlich ist oder eine Durchstechung des Trommelfells (Paracentese). Wenn die Entzündung anhält und eine Schwerhörigkeit eintritt, können druckausgleichende Röhrchen eingeführt werden, um das Sekret abzuleiten und das Mittelohr zu belüften. Diese können mehrere Monate oder sogar Jahre im Ohr bleiben. Die Röhrchen können die Hörfähigkeit wieder herstellen, der ständigen Bildung von Flüssigkeit vorbeugen, die Häufigkeit von Ohrenentzündungen und weitere schwerwiegende Komplikationen verhindern.

Ursachen von Schallempfindungs-Schwerhörigkeiten

Ein sensorineuraler Hörverlust kann während der Schwangerschaft, der Geburt oder nach der Geburt auftreten. Er kann auch vererbt werden.

Lärmeinwirkungen

Eine der häufigsten und vielfach vermeidbaren Ursachen von dauerhafter Schwerhörigkeit ist Lärm. Laute Geräusche können die Haarsinneszellen in der Cochlea vorübergehend oder dauernd schädigen. Fahrzeuge, Maschinen, Stereoanlagen, Walkmen und Diskotheken produzieren Lärm, der eine schädliche Auswirkung auf das Gehör haben kann, je nachdem, wie nahe die Lärmquelle ist und wie lange man ihr ausgesetzt ist. Zudem können gewisse Spielzeuge oder Computerspiele und sicherlich Rockkonzerte, das Gehör schädigen.

Kinder sollten auf die Gefahren von Lärm aufmerksam gemacht und darauf hingewiesen werden, einen Gehörschutz zu benutzen, wenn es notwendig ist.

Testverfahren zur Feststellung von Hörstörungen

Wenn Sie denken, dass bei Ihrem Kind eine Schwerhörigkeit vorliegt, sollten Sie zunächst Ihren Arzt bitten, Ihr Kind audiologisch beurteilen zu lassen. Diese Untersuchung wird aufzeigen, ob und zu welchem Grad eine Schwerhörigkeit vorliegt. Kein Kind ist zu klein für einen gründlichen Hörtest. Die heutige Technologie macht es sogar möglich, die Hörfähigkeit von Neugeborenen zu untersuchen.

Hörscreening

Dies ist ein Test, der in jedem Alter durchgeführt werden kann. Ein Hörscreening zeigt gewöhnlich nur, ob das Gehör eines Kindes beeinträchtigt ist. Wenn ein Kind einen Screeningtest nicht besteht, wird eine detailliertere Untersuchung durchgeführt. In den letzten Jahren wurde die Bedeutung von Hörscreenings für Kinder erkannt. In vielen Ländern ist es nun gesetzlich verankert, dass alle Neugeborenen bezüglich Hörverlusten untersucht werden. Wenn ein Hörverlust früh erkannt wird, können entsprechende Maßnahmen frühzeitig durchgeführt werden.

Verhaltenshörtests

Diese Tests erfordern in der Regel, dass das Kind auf leise Töne irgendwie reagiert (verbal, durch Zeigen auf ein Bild, durch Heben der Hand oder in einem «Spiel»). Solche Tests können Spaß machen und bei Säuglingen und Kleinkindern ist die Kopfdreh-Reaktion die zuverlässigste Testmethode.

Hirnstamm-Audiometrie (BERA)

Bei Neugeborenen und Säuglingen oder Kindern, bei denen Verhaltenstests nicht zuverlässig durchführbar sind, lässt sich das Gehör mit objektiveren Tests wie BERA prüfen. Klicks oder Tonpulse werden über Kopfhörer in das Ohr des Kleinkindes übertragen. BERA liefert Informationen über die Funktion des Hörweges bis zum Stammhirn. Die Reaktionen auf die Klicks und Töne werden aufgezeichnet und ermöglichen so eine Abschätzung der Gehörfunktion.

Otoakustische Emissionen (OAE)

Diese Tests ermöglichen eine neue, einzigartige Prüfung der Funktion der Cochlea (Hörschnecke im Innenohr). In das Ohr des Kindes werden über einen kleinen Lautsprecher Töne gesandt. Ein Mikrofon nimmt die Reaktion der Cochlea (Emission genannt) auf. Diese Methode liefert wertvolle Informationen über die Beschaffenheit der Haarsinneszellen der Cochlea.

Tympanometrie (akustischer Schwingfähigkeitstest)

Dieser Test hilft zu ermitteln, wie gut Trommelfell und Mittelohr funktionieren. Dabei wird ein leichter Luftstoß in das Ohr des Kindes gegeben und die Schwingfähigkeit des Trommelfells in Abhängigkeit vom jeweiligen Luftdruck aufgezeichnet. Wenn das Trommelfell beispielsweise nicht schwingt, könnte dies darauf hinweisen, dass sich Flüssigkeit dahinter befindet und eine sekretbildende Mittelohrentzündung vorliegt.

Nach dem HNO-Arzt Besuch

Möglicherweise muss Ihr Kind mit Hörsystemen versorgt werden. Ein kindgerechter Akustiker (ausgebildeter Pädakustiker) ist über die Entwicklungsstufen des Kindes, insbesondere über die Besonderheiten des kindlichen Gehörs informiert. Sie, Ihr Akustiker und Ihr HNO-Arzt finden gemeinsam die beste Versorgungsart, nach audiologischen sowie Alters-, Entwicklungs-, Kooperations- und Verhaltensabhängigkeiten, für Ihr Kind.

Jede Hörsystem-Anpassung ist ein fortlaufender Prozess. Doch besonders bei Klein- und Kleinstkindern darf es keine einmalige Aktion sein, sondern ein fortlaufender Prozess. Wachstum und ständige Hörveränderungen im Kindesalter, machen eine Kontroll- und Nachsorge Untersuchung ca. alle 3 Monate nötig.

Aus diesem Grund empfiehlt es sich auch bei Kindern eher das relativ flexible Hinter-dem Ohr-Gerät einzusetzen, als ein Im-Ohr-Gerät. Beim erstgenannten genügt nämlich nach dem Wachstumsschub einfach eine Anpassung der Ohrpassstücke vorzunehmen, statt die kompletten Hörsysteme auswechseln zu müssen. Ein nicht mehr passendes Ohrpassstück erzeugt unangenehme Druckstellen und vermindert die Leistungsfähigkeit der Hörsysteme.

Die Hörsystem-Versorgung erfordert bei Kindern darüber hinaus besondere Qualifikation und Sensibilität im Umgang mit der kindlichen Psyche und Kommunikation. Dabei müssen Ängste und Widerstände behutsam aufgehoben oder der natürliche Spieltrieb des Kindes geschickt genutzt werden.

Selbstverständlich wird nach der erfolgten Hörsystem-Versorgung nicht nur das Kind in die Bedienung, Anwendung und Funktionskontrolle der Hörsysteme eingewiesen, auch die Eltern müssen über die Handhabung und Überprüfung informiert werden um Ihre Kinder mit den Hörsystemen voll unterstützten zu können.

Und nicht zuletzt bietet das Thema Hörsystem-Versorgung bei Kindern durch seine Interdisziplinarität der Mitwirkenden eine Besonderheit. Hier arbeiten qualifizierte Berufsgruppen wie HNO-Ärzte, Pädaudiologen, Pädakistiker Psychologen, Pädagogen und natürlich die Eltern zusammen, um für das hörbeeinträchtigte Kind die beste Versorgung und Nachbetreuung festzulegen.

Ihr Kind hat Vorrang, die Hörbeeinträchtigung ist zweitrangig. Schrecken Sie nicht davor zurück, Fragen zu stellen. Dies ist der erste Schritt auf dem Weg, die besonderen Bedürfnisse Ihres Kindes verstehen zu lernen. Wenn jemand ein Fachwort verwendet, das Sie nicht verstehen, lassen Sie sich den Begriff erklären.

Ihr Kind lebt in einer Zeit, in der die Technologie und Hilfsmittel viele Möglichkeiten zum Ausgleich bieten. Es ist wichtig, dass Sie sich über die verschiedenen Möglichkeiten informieren und sich von Spezialisten beraten lassen, bevor Sie wichtige Entscheidungen treffen. Es gibt viele Fachleute, die Ihnen beratend zur Seite stehen, damit Sie die beste Wahl für Ihr Kind treffen können.

So werden Sie die vielfältigen Möglichkeiten kennenlernen, die Ihrem Kind zur Verfügung stehen. Sie werden auch feststellen, dass es unter Fachleuten manchmal unterschiedliche Auffassungen gibt und Forschungsergebnisse nicht immer einfache Antworten liefern und Ihre Fragen somit nicht immer eindeutig beantwortet werden können. Das Wichtigste ist, dass Sie von Ihrer Entscheidung überzeugt sind.

Versorgungs-Möglichkeiten

Heutzutage gibt es nur wenige Hörverluste, für die es keine geeignete Technologie gibt. Nach einer klaren Diagnose der Hörfähigkeit sollte die entsprechende Technologie schnellstmöglich gewählt werden, damit sichergestellt ist, dass Ihr Kind schon früh von der Hörerfahrung profitieren kann.

Hörsysteme ermöglichen dies, indem sie Geräusche verstärken und so Kindern aller Altersstufen helfen können. Die richtige Wahl des Hörsystems kann Ihrem Kind bei der Entwicklung seiner Kommunikationsfähigkeiten helfen.